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1.

Eharakteriftifche Züge

aus bem Leben

Fuͤrſten Wolfgang zu Anbalt,

Seh. 2. Hug. 1492, gefl. 23. Matt. 1566,

A2

Lo

Ar. 1500, im achten Sabre feed PT 2 Alters, wart er nach Leid:ig

geſchickt, allda ;u futires. In Jahren hielt er fi) mehrmalen bei feinem Vet⸗ ter, Türk Abolfen, Bifchefen zu Merſe⸗ burg, auf, tem er einſt auf bie Frage: ob er auch gedaͤchte, in Himmel zu Toms men? die nad;denflihe Antwort gab: Ja traun, aber, ob Bett will, noch zur Zeit nicht, denn darum bin id) ge muft, daß ich im Zimmel leben ſoll, aber ih Hoffe noch eine Zeitlang all - bier auf Erden zu ſeyn, und bei Bott avig 33 bleiben.

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4 D

J

6 Chbarakt.Lebens⸗Zuͤge

Die Sorge um ſeiner Seelen Heil wurde in ihm fruͤhzeitig durch die Beiſpiele und Er⸗ mahnungen ſeiner Frau Mutter und dreien

Vettern, Fuͤrſten Adolfs, Magnus und Wils

helms, hauptſaͤchlich and) durch zwo Begeben⸗

heiler erwegfet, Die einen tiefen Eindruck in ihm

zuruͤckgelaſſen. Ein gewiffer Baron von Sterns berg hatte zu Weimar einem großen Vanquet und ritterlichen Uebungen beigewohnet, den ans dern Morgen früh gieng er in den Saal, bie leeren Wände und Tafelu, und Die berrichende Todten⸗Stille übernahmen fein ganzes Gemuͤth

mit einem fo lebhaften Gefühle von der Vers

-

gaͤnglichkeit aller irrdiſchen Freuden, daß er uns - verzüglich mit feinen Dienern fic) zu Pferd fezte, nach Arnſtadt vor das Kloſter ritt, nnd feinen Dienern fagtes Er fähe, wie vergaͤnglich die weltliche Freude fei, er wolle ſich deßwegen um dad Eroige befümmern, und ftelle jedem unter ihnen frei, wer mit ihm an biefem Orte fein Les

ben im Dienſte Gottes zubringen wolle, wer aber

nicht wolle,der foll in Gotted Namen feinen Weg zuruͤcknehmen, und das Pferd behalten; worauf Einer bei ihm geblieben, und die andern fortges

Fuͤrſt Wolfgangs zu Anhalt. 7

ritten; welche Seſchichte der ſelige Herzog noch in feinem hoher Alter nie ohne Gemuͤths⸗Bewe⸗ gung und Weinen erzählen koͤnnen. Die andere Beranlaffung fei geweſen eine Rede Kurfürft Sohannfen zu Sachſen, welcher als ein noch junger Herr zu Imufprud am Hofe Kaifer Marimiliand II etlihe Tage mit Rennen, Stehen, Zurnieren, Springen, Tanzen und andern Ergözungen zugebracht, jeboch noch nad) ber Zeit, fo oft er baran gedacht, bie Rebe geführte: Er wüßte mit Wahrbeit zu fagen, daß ihm auch derfelben Freu⸗ densTage Feiner jemals ohne eine fon» derliche Traurigkeit und Herzeleid vers flofien wäre.

An. 1530 309 er mit Kurfürften efobannfen von Sachſen auf den Reichstag nad) Augfpurg, allwo er das Evangeliiche Glaubens » Bekänuts niß mit unterfchrieb, und Kaiſer Karl V übers geben half, bei weldher Gelegenheit er das chriſtlich⸗ heroifche Zeugniß ablegte: Ich Habe: manchen ſchoͤnen Ritt andern 3u Ber fellen getan, warum follte ich dann nicht, wenn e8 vonnöthen wire, auch

A4

8 Charakt. Lebens - Züge

meinem Herrn und Erlöfer, Chrifto Je⸗ fü, zu Ehren und Behorfam mein Pferd fetteln, und mit Darſezung meines Beibes und Lebens zu dem ewigen Ehren: Kränzlein im Dimmlijchen Les ben eilen.

Als währenden Meichätages einsmals von Beſtaͤndigkeit ber Evangeliſchen Religion geres bet ward, fprad) er mit ebler Freimütbigkeit: Er wolle lieber einem dafür die Stifel

auswiſchen, und fich Land und Leute verzeihen, und an einem Sieden das von gehen, dann daß er follte eine ans dere Lehre annehmen.

Als auch Kurfuͤrſt Sohannfen zu Gachfen auf dieſem Reichstage eine Formul, von ber Evangeliſchen Lehre abzutreten, angetragen ward, dieſer aber geantwortet: Gott hat mich zum Kurfuͤrſten des Reichs gemacht, deß ich mein Lebtag. nicht werth bin worden, will.er mich nun ferner zum Rurfürften Haben, fo wird cr ed wohl ſchicken, wo nicht, fo mache er aus mir,

|

Fuͤrſt Wolfgang: zu Anhalt. 9

and der Roͤmiſche Kenig Ferdirand ſolches der⸗ maſſen übel genommen , daß, ba ter Kaiſer ihm, wie andern Fuͤrſten des Reichö, bie Hand geboten, ter König das nicht geftatten wellen, fontern ibm aus Zorn die Hand wieter zuruͤck⸗ gezogen, ber Kaiſer aber fid) dadurch doch nicht bewegen laſſen: fo tras Fuͤrſt Wolfgang mit Marggraf Georgen- ans dem Mittel hervor , and tragen dem Kaifer ihre Dienfle mit Leib

un Blat an, jedoch mit dem Anhange: Geis

ge Raiferl. Majeſtaͤt wollten fie bei

der befannten Religion gnädigft Iafs

fen, würden ſich auch gegen Diefelr ben in aller ‚Unterthänigkeit verhal⸗ ten, jedennoch, ebe fie ihren Bott und deſſen Evangelium verläugnen woll⸗ ten, fo wollten fie ihnen lieber die Köpfe abichlagen laſſen; worauf ber Kai⸗ fer ganz guäbig geantwortet: Lieben Oh⸗ men, nit Kop ab, nit Kor ab, fo iſt es nit gemeint.

Als auch D. Eck einsmals mit Heftigfeit herausfuhr, daß ihn wundere, wie die Luthe⸗

/ A 5

ıo Charakt. Lebens Züge: |

riſchen fo wider ben Strom firebten, indem fie ‚nicht gedenken follten, daß ihre Sachen Beftanb haben, und fie alfo einmal nirgend würden bleis - ben koͤnnen, antwortete ihm Fürft Wolfgang: Meinet dann ihr, daß eure Sache eis nen Beftand haben koͤme? unfere Sar che ift gut, und ift Botted Sache, dem. trauen wir, der wird fie auch wohl erhalten; das follt ihr aber wiffen , Serr Doktor, prakticitt ihr einen Krieg, fo. werdet ihr auf diefer Seite auch Leute finden.

Im Jahre 15 3 1 unterfchrieb er den Schmals kaldiſchen Bund , und erhielt in eben biefem Jahre ein Schreiben von Herzog Albrecht in Preußen, worinn er ihm wegen feiner Befläns digkeit in Glaubens⸗Sachen in folgenden herz⸗ lichen Ausdruͤcken Gluͤck wuͤnſchet: „Ich bans ke Gott dem Vater in Chriſto Jeſu, der Ew. Liebden durch Eingebung des heiligen Geiſtes, den Mund ſeiner Wahrheit, das reine lautere Wort feines heiligen Evaugelii, welches Wort Sort felbften iſt, und Fleifch worden, zu uns ferer Exlöfung eröfnet, und dag Ew. Liebden

| Fuͤrſt Wolfgangs zu Anhalt. 11

| ſolches ohne alle Schen vor den Menſchen oͤf⸗ fentlich zu befennen feine Gnad verliehen hat; derſelbige allmaͤchtige barmherzige Gott wolle Ew. Lobden und und alle in feinem gnadenrei⸗ hen Wort erhalten, fhüzen,, firmen, und, weiter vor allem Uebel behüten. Umen ! So danke ich darneben dem lieben Gott, daß er mic) armen Sünder aus bem Machen des Zeus feld erlöfet , and mir ans lauter Gnade und Barmherzigkeit, der ic) dem Teufel ganz ers geben war , fein göttliches Wort auch mitges theilt ꝛc,, Endlich befchließt er: „Wuͤnſche Ew. Lbden hiemit, von Gott dem Vater und unſerm Herrn Jeſu Chriſto, der ſich fuͤr unſere Suͤnde gegeben hat, auf daß er und errettete von diefer gegenwärtigen argen Welt, Gnade, Friede und Barmherzigkeit, den gütigen Bas ter unfer aller in fiarfem Glauben und fefter Zuverſicht bittende, weil er Em. Lbden und uns bei ſolchem erhalten, wolle ferner der falfchen, argen, vergänglichen, nichtigen Welt diefes Fammerthals nah feinem gnädigen Willen wehren, und und das Eleine Häuflein vor als Im Uebel behüten, fein goͤttlich Wort mehren

12 Charakt. Lebens⸗Zuͤge

and zunehmen, und die gute Frucht in uns erwachfen laflen zc.,,

An. 1546 befand er fidy mit zu Eisleben, und bei der Handlung zwifchen den Grafen von Manndfeld, deren andy Luther beiwohnte, bes huͤlflich zu ſeyn. Er hatte daſelbſt den Schmer; des tödtlichen Hinganges bed von ihm fo ges Tiebten und hochgeſchaͤzten Luthers, den er noch in der Nacht um vier Uhr befuchte, aber fchon todt antraf.

Gaoott hatte biefen feinen trenen Diener , nach feinem fehnlihen Wunſche und Hoffnung, aus dieſer Zeitlichkeit entruͤckt, ehe noch in dies fem Jahre der unglüdlide Schmalfaldifche Krieg ausbrach. Fuͤrſt Wolfgang ward in das Schickſal feiner Bundedgenoffen mit verflod» ten, and fin Jaͤnner 1547 vom Kaifer in die Acht und feiner Lande verluftig erklaͤrt. Er mußte fich bei dieſen Umſtaͤnden mit der Flucht retten , fein Muth und Vertrauen auf Gott blieb aber unter all dieſen Stuͤrmen anerfchüts tert, und als er des Nachts von Bernburg wegritt, fung er noch auf dem Markte mit heller Stimme dad Lied: Ein fefle Burg iſt

Fuͤrſt Wolfgangs zu Anhalt, 13

fer Gott ꝛc. Er mußte fi in dem Kits tl eined Müllers eine Zeitlang auf der Mühle zu Köran verborgen halten, begab fi) darauf auf den Harz, wo er bei guten Freunden ſich verbarg, bis die erfle Hize vors über feyn würde.

ImSahre 1548 wurde der VöhmiſcheObriſt⸗ Kanzler, Henrich von Plauen, Burggraf von Meißen, mit ben confifeirten Landen vom Kaifer belehnt, Fuͤrſt Wolfgangd alter guter Freund, Herzog Franz von Braunfchweig,fchrieb ihm aber um dieſe Zeit folgenden herzruͤhrenden, troͤſtenden und getroflen Brief:

„Hochgebohrner Fuͤrſt, freundlicher Lieber Oheim nnd Schwager!

So es Euch wohl gienge, hörete ichs gers ne, bitte, Ihr wollet mir ſchreiben, ob Ihr vertragen ober nicht? mit mir flehetd noch, wie ed lang geflanden hat, und man hat mir andere neue Wege fürgefchlagen, ich wills aber nicht annehmen , und will meine Sache Gott den Allmaͤchtigen heimſtellen, and ben ließen

x

14 Charakt. Lebens-⸗Zuͤge

Gott nicht verlaͤugnen, ſondern bei ſeinem lie⸗ ben Wort bleiben, es gehe daruͤber, was Gott verhaͤnget. Die Stätte allhier halten noch al» le, Gott Lob! fefte bei Gott und feinem Wort, und auch alle die See » Stätte. Der König "in Dännemark wird auch bei Gott und feinem Wort bleiben, und follte er auch darüber bet⸗ teln gehen. Gott flärke ihn, es wird nun heißen, dad Krenz beweifen mit der That, doch verſehe ich mich, Ihr werdet auch bei dem lies beu Gott bleiben, und fo Ihr allda verfelget, und zu mir kommet, fo will ich mit Euch theis len, als Lange ich einen Biſſen Brods habe, denn wir find alte Gefellen, und gefchieht bils lich, was ich mich erbiethe, Gott flärfe Euch, und habt einen guten Muth, Gott wird wohl helfen, wenns Zeit ifl. Hoffe aber zu Gott, der Teufel wird fo ſchwarz nicht ſeyn, ald man ihn machet. Lieber Schwager, laßt nur Gott wolten, und bitten durch Chriſtum, er wird helfen, und fic) gewiß fehen Laffen durch Bitte der armen Chriften. Es iſt viel beffer , das Zeitliche hintangefezt, ald das Ewige, Thue Eudy hiemit Gott dem Allmächtigen befehlen,

Fuͤrſt Wolfgangs zu Anhalt. 15

Ä nd bin Euer armer Kuscht. Eilende u Si . pern, Mittwoch nad Egibü 1548.,, An. 1550 fand er Karfuͤrſt Morizen zu Sachſen in ber Belagerung und nachhero Ver⸗ handlung mit der Stadt Magdeburg bei, und ließ fh zum Statthalter allda beſtellen. Ende lich wurde er in Folge bed Paſſauer Friedens nebſt andern Fürflen der Acht entbunden, und in feine Lande wieber eingefezt. Seine neue Regierung war mit vielen loͤblichen Thaten aut Aufalterı bezeichnet, im Fahre 1562 aber übergab er feine Lande feinen Vettern, um nach erlebtem 7ojährigen Alter feine noch übrigen Tage ruhiger zuzubringen. Cr behielt fh une dad Schloß Kopwi zur Wohnung, and ein fehr mäßiged Depntat an Gelb bes vor, machte aber die Verfügung , ba er alle Tage eine Predigt hören könnte, theils in feis wem Schloße, theils in Zerbſt, wohin er noch ia kinem hoben Alter alle Woche einmal ritt, fand ſich auch alle drei, vier Wochen beim heit, Albendmahle ein. Sm Sahre 1565 machte er im September kin Teſtament, warb aber noch in eben dem

14 Charakt. Lebens⸗Zuͤge

Gott nicht verlaͤugnen, ſondern bei ſeinem lie⸗ ben Wort bleiben, es gehe darüber, was Gott

verhänget. Die Stätte allbier halten noch als le, Gott Lob! fefle bei Gott und feinem Wort, und auch alle die See » Stätte. Der König in Dännemark wird auch bei Gott und feinem Wort bleiben, und follte er auch darüber bets Nteln gehen. Gott flärke ihn, es wird nun heißen, dad Krenz bemeifen mit der That, doch verſehe ich mich, Ihr werdet auch bei dem lies beu Gott bleiben, und fo Ihr allda verfolget, and zu mir kommet, fo will ich mit Euch theis len, als lange ich einen Biſſen Brods habe, denn wir find alte Gefellen, und geſchieht bils lich, was ic; mich erbiethe, Gott flärfe Euch, und habt einen guten Much, Gott wird wohl helfen , wenns Zeit iſt. Hoffe aber zu Gott, der Teufel wird fo ſchwarz nicht ſeyn, ald man ihn mache. Lieber Schwager, laßt nur Gott walten, und bitten durch Chriflum , er wird helfen, und ſich gewiß fehen Laffen durch Bitte der armen Chriſten. Es iſt viel beffer , dad Zeitliche hintangefezt, ald das Ewige, Thue Euch hiemit Gott dem Allmächtigen befehlen,

Fuͤrſt Wolfgangs zu Anhalt. 15

nnd bin Ener armer Kuecht. Eilends zu Giff horn, Mittwoch nach Egidii 15487,

Un. 1550 ſtund er Kurfuͤrſt Morizen zu Sachſen in ber Belagerung und nachhero Vers handlung mit der Stadt Magdeburg bei, und ließ ſich zum Statthalter allda beſtellen. Ends . lid) wurde er in Folge bes Paſſauer Friedens nebſt andern Fuͤrſten der Acht entbunden, und in feine Lande wieder eingefezt, Seine nene Regierung war mit vielen loͤblichen Thaten unt Auflalten bezeichnet, im Jahre 1562 aber

übergab er feine Lande feinen Vettern, um za erlebtem Tojährigen Alter feine noch übrigen Tage ruhiger zuzubringen. Er behielt fh une das Schloß Koßwick zur Wohnung, und ein ſehr maͤßiges Deputat an Geld bes vor, machte aber die Verfügung , daß er alle‘ Rage eine Predigt böven Eönnte, theils in feis nem Schloße, theils in Zerbſt, wohin er noch in ſeinem hohen Alter alle Woche einmal ritt, hab ſich auch alle drei, vier Wochen beim heil. Abendmahle ein.

Im Jahre 1565 machte er im September fin Teſtament, ward aber noch in ehen dem

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16 6Charakt. Lebens⸗Zuͤge

Monate von einem mit vielen Bangigkeiten be⸗ gleiteten Fieber heimgeſucht, ſo daß er ſich ge⸗ gen feinen Prediger Ulrich beklagte: daß ihm aller Troſt aus dem Herzen weichen wolle; worauf ihm diefer zugefprochen: Er habe Gots ted Wort und Verheißung vor fi, wäre auch dein Herrn Ehrifto viel zu fauer worden, als daß er ihn verlaffen follte. Ex erbolte fid) aber

wieder fo, daß er auch zu feinem angefariges

nen Kirchenbau reuten kounte, davon er fags te: Ich will, ob Gott will , diefen Vogels bauer vollends bauen helfen, ehe ich ſterbe, Gott wolle hernach gute Sangs Vögel darein befcheren. |

Sm folgenden Sahre uͤberkam er die vos rige Schwachheit, er ließ ſich alfo feinen Sterbs Kittel machen und zuvecht legen, und befahl, wenn ihn Gott abfordern würde, ihn nicht andzuziehen, noch zu entblößen,, Taufte alles

zu feinem Leich⸗Begaͤngniß und Trauer ges

hoͤrige ſelbſt ein, und beſchaͤftigte ſich mit taͤg⸗

licher Anhörung der Predigten und erbauli⸗

chen Betrachtungen, betruͤbte ſich auch ſehr, daß er wegen des zunehmenden Huſtens und Erbrecheus

|

|

Für Wolfgangs zu Anhalt. 17

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Erbrechend das heilige Abendmahl nicht mehr

genießen konnte, er dankte Gott ſehr demuͤ⸗ tig für die Erkenntniß der Evangeliſchen Mahrheit, nnd als ihm den Tag vor feinem Ableben der Spruch aus dem 118 Pfalm ans geführt wurde : Ich werde nicht flerben, fons bern leben; fezte er hinzu? Ich werde ſchla⸗ fen; und fo entfchlief ex auch folgenden Tages in dem Glauben, dem er beLanut, und mit feis

ver Wahlfpruche: Chriftus fpes una falutis,

verſiegelt hatte.

Eine befondere Freude ward ihm noch auf feinem Krankenbette zu Theil, ba er gelegens heitlich gegen den Prediger Ulrich feines (wie er ihn nannte) alten Herrn, bes Erzbifchofs Eruft von Magdeburg ermehnte, und von ihm ruͤhmte: daß er gottesfürdhtig, weife, fchleche und gerecht, auch wohlthätig geweſen, viel ges banet, und einen flatslihen Hof, auch vice Fürften und Herren baran gehalten, und gleiche wohl mit Schazungen feine Unterthauen nicht beſchweret habe. Pfarrer Ulrich fagte darauft Euer Gnaden laffen bad Beßte außen, er if auch wohl geſtorben. Ach das wollte ih, er⸗

patr. Archiv, In Che, 8

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18 Charakt. Leb. Zage F. Wolfg. ec.

wiederte Fuͤrſt Wolfgang, Ihm gerne, gerne goͤn⸗ nen, Kan aber wohl denken, wie ed zu der Zeit | zugegangen. Der Pfarrer verfezte darauf: Er bat ein vecht Evangeliſch Ende genommen, denn da ihm anf feinem Todbette zween Mönche alle ihre und ihres ganzen Ordens gute Werke zum Pfande ſeiner Seligkeit angeboten, hat er ih⸗ nen geantwortet: Klein traun, ich begehrte eure Werke nirgend zu, meines Serrn Jeſu Chrifti Werte die muͤſſens alleine thun. Worauf ſich der alte kranke Herr von Herzen erfreuet und gefpröchen: Wohlen, Hat er das bereits zur ſelben Zeit geſpro⸗ - hen „fo ift es wahrlich viel, fo werden, ‚ob Bott will, Herr und Knecht bald wiederum beifammen feyn.bei unſerm Tieben Herrn Chriſto. |

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I. Leben

Herzog Cherhard Ludwigs zu Wuͤrtemberg. |

Geb. den 18. Sept. 16776, geſt. den 31. Det. 1733.

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Nr kurze, aber gebrängte Lebend-Befchreis bung Herzog Eberhard Ludwigs zu Würtents berg iſt aus eben dem fchriftlichen Aufſaze bes verſtorbenen Geheimen Rache Herz genoms men, von weldyem im erſten Theile dieſes Werkes ©. 107 Rechenſchaft gegelen worben.

Freilich lieſet fi die Spittlerifche Res Verungs⸗Geſchichte Diefes zürflen ungemein an⸗ genehmer; ald Lebrusizuf, und in Hiuſicht anf Zhatfachen iſt und Meibt aber jene immer brauchbar und ſchaͤzbar, nud iſt dabei nicht zu vergefien , daß ber ganze Aufſaz nicht fürs Publikum, fondern zum PrivatsUnterricht eis ned jungen Fuͤrſten gefchrieben war, wobei der mündliche Vortrag vieles ergänzen und berichs tigen konnte. Auch ift für ben unpartheiifchen aufmerkſamen Lefer immer was werth, eine und eben diefelbe Geſchichte von einem befoldesen ehr⸗

lichen Fürftendiener einerfeits, und daun aud) don einem philofophifchen Kopfe und freidenken⸗ den Manne erzählt und beurtheilt zu leſen.

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22 Leben

* |

Herzog Eberhard Ludwig war ber zehnte Herzog von Würtemberg, einiger Sohn feines Worfahrers, Herzog Wilhelm Ludwigs. Cr war gebohren den ı fen Geptemb. 1676, und noch Fein völliges Jahr alt, als fein Herr Was ter ſtarb; daher fiel das Herzogthum unter eine Adminiſtration.

Ueber dieſe entſtunden große Sreetigfeiten zwifchen dev Frau Mutter, des Herrn Vaters Bruder Herzog Friderich Karl, und des Großs herrn Vaters Bruder Herzog Friderich von Neuenſtatt. Jene berufte fih auf die gemeinen Rechte und ihre Ehepakten, welche ihr die Vor⸗ mundſchaft zulegten. Herzog Friderich Karl wollte zwar die Frau Mutter von der Vor⸗ mundſchaft uͤber die Herzogliche Jugend nicht ausſchließen, die Landes-Adminiſtration aber allein haben, und berufte ſich hierunter auf das

Herkommen des Herzoglichen Hauſes und das Teſtamentum Eberhardinum. Herzog Fri⸗ derich von Neuenſtatt machte wider bie Frau Mutter gemeinſchaftliche Sache, wollte aber den Herzog Friderich Karl der Urſache wegen .

H. Eberh. Ludw. zu Würtemb. 23

serbringen , weil diefer ſelbſt noch nicht 25 Jahr alt, felglich felbft noch minderjährig, und die Adminiſtration zu führen unfähig fei.

Die Sache wurde am KRaiferlichen Hofe ans bängig gemacht, wohin ſich gleichbald Merzog Friderih Karl in Perfon begab, und vorderſt ‚ben einen Kompetenten, Herzog Friderich von Meuenflatt, dadurch vom Hals brachte, daß er die Sache fo viele Monate trainixte, als ihm zur völligen Majorennität annoch abgien⸗

gen. Zwiſchen der Frau Mutter aber und ihm

wurde die Sache ferner in Schriften verhans beit, und biß auf den Spruch getrieben, ends Iih aber unter Kaiferlicher Vermiltelung im Sahre 1678 ein Vergleich getroffen, kraft deſ⸗ fen die Vormundſchaft gemeinfchaftlih , bie . Adminiſtrativn aber, nach der Obſervanz des Herzoglichen Hauſes, von dem Herzoge allein gefuͤhret, jedoch in beiden das Geheime Raths⸗ Kollegium, nach Vorſchrift des Eberhardini⸗ ſchen Teſtamentes, als Mit⸗Vormuͤnder ads mittirt, auch der Frau Mutter auf Verlangen von den wichtigſten Angelegenheiten Nachricht gegeben werden ſoll. | | Bu

4 Reben

Die Herzogin war alfo von der Landes⸗ Adminiftration fo ganz ausgeſchloſſen, daß, als fie währender Gefangenfchaft des Herrn Adminiſtrators ſich derfelben nur etlichermaſſen unter ihrem eigenen Namen unterzogen, der junge Herzogliche Herr Bruder ſich am Kaiſer⸗ lichen Hofe darüber beſchwerte, und vom Kaifer Leopold ein befonderes Salvations⸗Dekret hers and brachte, daß ſolcher von der Frau Herzogin vorgenommene Aktus dem Herzoglichen Haufe und deſſen Herkommen zu keinem Praͤjudiz ge⸗ reichen ſoll.

Der Herr Adminiſtrator führte bie Regie⸗ rung von An. 1078 bis 1092 mit vieler Wuͤr⸗ de, mittler Zeit er auch in ſeiner Ordnung zum Kaiſerlichen Generals Feldmarſchall ernennet worden.

Nur erweckten die angeſtellten Werbungen zu Venetianifchen Dienſten im Lande einiges Mißvergnägen, und wegen der Feſtungsbau⸗ Gelder wurbe er von ber Landſchaft beim Kais ſer verklägt:

Unter ihm wurde, aus Gelegenheit einer Reichs⸗Defenſiond⸗Verfaſſung, der Grund zu

%

H. Eberh. Audw. zu Würtemb. 25

ter Kreis Militar: Eoucurten; gelegt, unb turch den großen Anslhuß > Tags » Abjchieh‘ vom Sabre 1081 auf zwei Kompagnien zu. Pferd à 100, mb vier Kompaguien ;u Fuß ä 200 Maum geſezt.

Die Concurrenz des geiſtlichen Gutes zu den Landes⸗ Praeftandis wurde bei allen Gele⸗ genheiten von ber Laͤndſchaft ſtark urgirt, aud jeterzeit auf Abſchlag etwas geliefert, die volls Iommene Herſtellung des dritten Theiles aber von nem Convent zum audern vegihoben,

Uster feinen rühmlichen Verrichtumgen vers

dient die Erbau⸗ und Stiftung bed Ötuttgarder Oymnafii auch einen Plaz. «

Er hatte zu feiner Appanage die Gefälle zu Winnenthal erhalten, wovon.er nad) abges legter Abminiftration mit feiner zahlreichen Fa⸗ milie ſubſiſtiren muͤßen; hatte aber doch fo gut hansgehalten, daß er ein namhaftes Kapital zurüdgelaffen, und mit einem Fideicommiß bes legt hat. |

An. 1684 fielen die Sranzofen ind Land, und befeztem Tübingen, Stuttgard und Afperg, welch lezteres fie beim Abzuge geſprengt. |

5

ET Reben

An. 1689 wurde der Herr Adminiſtratoe bei Drtiöheim nach einer unglüdlichen Rencons tre von ben Franzofen gefangen, und nad) Pas ris geführt. Der König ſchenkte ihm aber gleich bei der erfien Audienz die Freiheit, und geflats tete ihm, in feiner, des Königs, Gegenwart den Aut anfzufezen, welches bei den Franzoſen nicht geringe Jalouſie erwedte. Bon biefer feiner Ubwefenheit and Fata⸗ Iität wußte man zu profttiren , und bei Dem Kaiferlihen Hofe für den inzwifchen in bag ı7te Sahr getvetenen Prinzen veniam ztatis "herauszubringen. E8 verdroß folched den Herrn Adminiſtrator, und begab fich derowegen ſelbft nach Wien „beſchwerte ſich, daß man ihn hin⸗ tergangen, vornehmlich aber über das üble Nachreben, ald ob er mit Frankreid in ein Verſtaͤndniß eingetreten, weßwegen er Satis⸗ faction forderte. | In feinem HauptsGefuche, daß nämlich die Venia ætatis wieder aufgehoben, und er aufs neue, wieber in bie Adminiſtration eingeſezet | werben möchte, konnte er zwar nicht reißiren, doch ertheilte ihm der Kaiſer ein Dekret, daß

s.Cberh.2ubw. zu Wärtemb. =;

tiefer Borgang Um am feuer Hirten Res putation umnachtheilig , auch Ser Drriog Eters hard Ladwig amgerrichen fern i:T, fh iz zrüche tigen Sachen feine? guten Ratbes ;u keiienen. Er lebte aber hierauf wide mehr lange, ſtarb den zofte Dec. 1698 mit Dinterlsneng vier Söhne zub einer Prinzefin,, welche ſich am ten Morggrafen son Brandenburg⸗ Asſpach dermaͤblt.

Der auf ſolche Weiſe ſelbſt regierente Her⸗

vꝗ Sechard Ladwig num hatte waͤbrender Misterjibrigfeit bei tem An. 1688 erfelgten Eiefalle der Franzoſen in feinen Larten ſich nah Regenfpurg retirirt, uud An. 1690 bed Rimiihen Königs Joſephs L Krönung in Aays fpurg beigewohnet.

Der Antritt feiner Regierung war unges mein beſchwerlich, indem er in das 1693ſte Sahr einfiel, barinnen dad Herzogthum durch bie Franzöfijchen Snvaftonen feyr ruinirt, im Sontribution gefezt, und dadurch große Noth und Theurung verurſacht wurbe. Er blieb defs fen ohngeachtet bem Kaifer und Reiche treu, ließ fine Truppen bei ber Reichs-Armee fechten,

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uud that bieſer allen nur erfinnlichen Vorſchub wohnte auch den geſammten Feldzuͤgen in eige ner Perfon bei,

In dem nämlihen Jahre, da der Trieb gu Ryßwick gefchloflen wurde, vermäblte «ı fi) mit Johanna Eliſabeth, einer Prinzeßir von Baden⸗Durlach.

Zu gleicher Zeit ordnete er eine Geſand ſchaft am ben Kaiſerlichen Hof ab, welche bai dem Herzoglichen Haufe zuftehende Erb⸗ Pan niers Amt, oder Erz⸗Faͤhndrichs⸗Amt, geger Kurs Braunfdmweig verfechten, mud die Der ſtellung eines Voti In dem Reichs » Fuͤrſten Rath wegen bed Herzogthums Ted nachſucher mußte. Jenes betreffend exrhiele die Gefand (haft, alled gegenfeitigen Widerſpruched unge achtet, im Jahre 1699 ein favorables Raifer liches Dekret, welches, als die Sache An. 171: wieder in Bewegung Fam, nochmald beflätti get, und dadurch das für Kurs Braunfcdiweii projektirte Erz » Faͤhndrichs⸗Amt rüdgängii wurbe. Wegen bed Teckiſchen Voti ſuchte maı die ſchon An. 1690 ertheilte Ratferliche Verſi

cherung, daß, fobald der Reichs⸗Fuͤrſten⸗Rat

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H.Cherh. Ludw. zu Würtemb. 29

m eig Katholiſches Votum vermehrt würbe, aledann Würtemberg auch confolirt werden ſollte, nunmehr, nachdem An. 1694 Pfalzs Sulzbach introbucirt , und die Landgrafſchaft Kleggan in ein Fuͤrſtenthum erhoben worden, folglich die gefezte Bedingung geboppelt erfülle war, zur wirklichen Vollziehung zu bringen, konnte aber wegen vieler Widerſpruͤche und ans derwärtiger gleichmäßiger Prätenfionen nicht veäfiren. | An. 1700 that der Herzog eine Reife durch bie geſammten Niederlande , Engelland und Frankreich , allwo er ben Hof Incognito befab. Bald darauf gieng der Spanifche Succefe ſions⸗Krieg an, ba ſich, dann der Herzog durch keinerlei Verſprechungen oder Drohungen von feiner Treue gegen ben Kailer, das Reich und bad Erzhaus Deflerreich ableiten ließ. Viel⸗ mehr brachte er es bei dem Schwäbifchen Kreiſe dahin, daß fich derfelbe mit den benachbarten vier Kreifen afjoclirte, und nachher An. 170% in die große Allianz zum Vortheil des Hauſed Oeſterreich eintrat. Es war dieſes viel gewagt, da Rurs Baiern auf bie Franzoͤſiſche Seite ges

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"30 . Reben

treten war, folglich dad Herzogthum feiner 8: ge nach auf beiden Seiten zwo maͤchtigen Feiı den offen fund. Inzwiſchen verließ fich de Herzog auf die gute Sache, und bie von be Alliirten erhaltenen Verfiherungen, fezte fic in gute Pofitur, and) die Kreiss Miliz auf ei nen guten Fuß, und wohnte allen Feldzuͤger ſelbſt beiz wie er baun der Belagerung LZandaı zweimal, nämlid) An, 1702 und 1704, in gleichen den Schlachten bei Dietfurt, Schellen: berg und Hoͤchſtaͤdt An. 1703 und 1704 mil feinen Trouppen beigervohnet , und befonders in der lezten große Tapferkeit gezeigt. Vor⸗ nehmlich aber that er. den Engelländern und Holländern mit Succurs aus feinen Landen

großen Vorſchub, und half dadurch den Sieg

bei Hoͤchſtaͤdt merklich befördern. Auf folche Decifi» Schlacht wurde ganz Deutfchland, vors nehmlich aber der Schwaͤbiſche Kreis und das Herzogthum Wuͤrtemberg von dem bevorges fiandenen aͤußerſten Rain und Sklaverei errets tet. Es half auch ferner der Herzog die Fran⸗ zoſen und Baiern vertreiben, wo ſie noch Pole gefaßt hatten,

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H. Eberh. Ludw. zu Würtemb, 31

Dieſe vielfachen Perdienſte wurden von dem

Kaiſer und Reich, auch geſammter Generali⸗ tät, mittelſt der verbindlichſten Dankſagung er⸗ kanns. Nachdem hierauf ganz Baiern einges nommen, unb von ſolchen dem Reiche heimges fallenen Landen verfihiebenen Ständen zu einis ger Indemniſation der erlittenen Schäden und Koſten ein» und anderes zugetheilt worden, fo erhtele Würtemberg die ihm fo mohlgelegene Herrſchaft Wiefenfleig , allwo bie Huldigung wirklich eingenommen wurde. Als aber die Baieriſchen Bauern zu Gunſten ihres vertrie⸗ benen Kurfuͤrſten wider die Kaiſerliche Apmis niſtration einen Aufſtand erregten, ſtillte der Herzog das ſich gefaͤhrlich angelaſſene Feuer durch ſeine in der Eile dahin abgeordneten Troup⸗ pen, wobei daun freilich ben Bauern nicht zum Beßten gewartet wurde.

Wie nun durch dieſes Betragen des Her⸗ pogo die Feinde in große Wuth gegen ihn geſezt warden, alfo ließen fie ſolche im Fahre 1707 durch einen Einfall in das Herzogthum, bei damals geſchwaͤchter Reichs⸗Armee, heftig aus, Um den angefangenen Brennen und Plüudern

42 Leben

gu ſteliern, mußte man ſich zu einer Contribu⸗

von 1200, ooo Gulden verſtehen, und haste

das Herzogthum, uͤber die zum Beßten des

Reiches aufgewandten Kriegskoſten, bei benen

ſonſt fo gluͤcklichen Waffen der Alliirten, gleich⸗ ſam allein das Ungluͤck, deren Feindſeligkeiten erfahren zu muͤßen. Hernach aber wurden theils am Rheine gute Auſtalten, theils anderwaͤrts den Franzofen fo viel zu ſchaffen gemacht, daß

den ganzen noch gewährten Krieg über bas Laud

gegen feruere feindliche Einfälle gedect geblie⸗ ben.

Ingleihen hatte der Herzog feine in 5000 Dann beſtandene Hands Trouppen durch einen befondern Traktat in Hollaͤndiſchen Gold übers Yaffen. Diefe haben den vielen ruhmvollen

| Feldzuͤgen in den Miederlanden und beneu ba

und dort vorgefallenen merkwürdigen Schlache ven und Belagerungen beigewohnet, und dem Wuͤrtembergiſchen Namen viel Ruhm erwors

ben. Als An. 1709 bie Friedenn⸗Traktaten an⸗

gefangen wurden, beſchickte der Herzog ebenfalls

ben Congreß zu Gertruydenberg, and ließ auf Suderhnifation

H. Eberh. Ludw. zu Würtemb. 33

Fademniſation des von den Franzofen erlittenen sub auf 15 Millionen berechneten Schadens dringen. Die Zraktaten zerfäylugen ſich aber, und der Krieg gieng von nenem anz und weil

| der Herzog inzwifchen vom Kaifer und Reiche,

als auch vorhin vom Schwaͤbiſchen Kreife zum Gen⸗ ral⸗Feldmarſchall erklaͤrt worden, fo wurs de ihm im Sabre 1711 und 1712 die Reichs⸗ Armee am Rheine en Chef zu commandiren auvertraut. Man gieng aber damals nur de⸗ fenſive, und als nach geſchloſſenem Utrechter

Frieden Un. 1713 bie Franzoͤſiſche Armee an den Rhein 309, fo mußte auch der Kaiſer alle fine Force daſelbiſt fammeln, worüber der Prinz Eugenins von Savoyen das Commando führte, Diefer konnte aber nicht hindern, daß Die Frans zofen nicht Landau und Freiburg hinweg nah⸗ men, und mußte deßwegen auf fchledhte Bedin⸗ gungen Frieden madıen.

Durdy dieſen Frieden mußte Würtemberg, auftatt verhoffter mehrerer Gatisfaction, fogar das erhaltene Wieſenſteig an Kur⸗Baiern wies der abtreten.

patr. Archiv, III. Theil. c

34. Keben

Nun hoffte das Land von den fo viele Fahre hindurch audgeflandenen Kriegs s Erpreflungen und dadurch veranlaßten vielen Anlagen befreiet zu werben; ed wollte aber der Herzog bie Haus⸗ Zronppen nicht abdanken, und deßwegen bie von der Landfhaft bisher zu Kriegäzeiten vers willigten Kriegs⸗Stenern fortfegen. Die Lands ſchaft fuchte fich diefelbe zu verbitten, und vers meinte, kraft des Tuͤbenger Vertrags, zu Un⸗ terhaltung einiger Miliz bei Friedenszeiten nicht gehalten zu ſeyn; der Herzog aber gab nicht nach, und mußte daher die Landſchaft ihm hierinn zu Willen werden. Damit aber die⸗ ſe nicht um ihre Privilegien gebracht wuͤrde, wurde das Temperament getroffen, daß ſo⸗ thane Unterhaltung nur auf einige Jahre, und zwar ſalvis Compactatis verwilliget werden ſollte.

Alſo hatte das Land von ben fo langen Fries denszeiten fchlechte Erleichterungen , indem die Unterthanen die Unlagen, wie zu Rriegdzeiten,

_ fortreichen mußten. Denn obfchon die Manns

(haft nicht ſtark war, fo befand fie fid) doch anf einen fo koſtbaren Fuß, und mit fo vie⸗

H. Eberh. Ludw. zu Wuͤrtemb. 35

len Offiziers verſehen, daß um ein gleiches Geld eine viel ſtaͤrkere Miliz haͤtte unterhal⸗ ten werden koͤnnen. Abſonderlich hatte der Herzog eine ungemein koſtbare Garde zu Pferd, welche fo viel ald ein ganzes Regiment koſtete. Von An. 1708 an hatte er eine von Graͤ⸗ veniz zur offentlihen Maitreſſe angenommen, welche ihm der Fuͤrſt von Hohenzollern⸗Hechin⸗ geu recommendirt, und zwar mit Verlaſſung feiner Semahlin. Diefe führte hieräber Klage am Kaiſerlichen Hofe, und erhielt ein Refcript: daß jene aus dem Lande mußte, Sie war aber kaum fort, fo vitt ihr der Herzog nad), und hielt fih einige Zeit bei ihr mit großen Koflen zu Geneve auf. Man fuchte allerlei Gelegenheit, an die Herzogin zu fommen, es wollte fi aber nichts finden. Weil nun der Derzog von ber Graͤveniz durchaus nicht laſſen mollte, fo wurde die Auskunft getroffen, daß man ihr einen ges, wiſſen Grafen von Wuͤrben zum Mann gab, flbigen zum Land⸗Hofmeiſter declarirte, zugleich aber.mit einer Penfion von 5000 Gulden außer Raub ſchickte. Da hieß es dann: der Raifer ea

36 Reben _

koͤnne einem Reichsfuͤrſten nicht vermehren, Die Frau von feinem vornehmflen Minifler an feis nem Hofe zu haben, ba doch der Herzog heim⸗ Lich mit ihr getrauet war. Im der That melirte ſich auch der Kaiferliche Hof